Wenn du schon mal überlegt hast, ob der Nachtzug Berlin Budapest eine smarte Alternative zu Flug oder Tageszug ist, dann bist du hier genau richtig. Ich bin die Strecke im ungarischen Nachtzug (MÁV) gefahren – 12 Stunden, Single-Schlafwagen, 223 € – mitten im Winter. Und ja: Es war gleichzeitig überraschend komfortabelund herrlich „oldschool-chaotisch“.
In diesem Blogartikel bekommst du meinen kompletten Erfahrungsbericht: von der Abfahrt in Berlin über die Nacht an der Elbe bis zur Ankunft in Budapest-Nyugati. Plus: meine ehrliche Einschätzung, ob sich das lohnt, was dich im Schlafwagen erwartet – und welche Fehler du dir sparen kannst (Stichwort: Kissen, Dusche, Brille…).
Zum Video: Hier findest du das passende YouTube-Video zur Reise:
Übersicht
1) Warum überhaupt Nachtzug Berlin Budapest?
Der Reiz am Nachtzug ist simpel: Du sparst dir eine Hotelnacht, du reist entspannter (zumindest theoretisch) und du wachst im Idealfall in einer neuen Stadt auf. Gerade bei längeren Distanzen ist das Konzept unschlagbar – wenn der Schlaf stimmt.
Beim Nachtzug Berlin Budapest kommt noch dieser besondere Mix dazu: Es ist nicht „nur“ ein moderner Premium-Nightjet mit Hochglanz-Marketing, sondern ein Produkt, das sich irgendwo zwischen klassischer Nachtzug-Romantik und pragmatischem Osteuropa-Alltag bewegt. Und genau das wollte ich testen.
Dazu kommt bei mir: Ich mache gern diese „Gewalttouren“, wo in kurzer Zeit mehrere Züge, mehrere Nächte und mehrere Länder zusammenkommen. Und dafür ist ein Nachtzug oft der beste Baustein – weil er dir Zeit schenkt (oder zumindest das Gefühl davon).
2) Abfahrt in Berlin: Gleis 3, Wagen 263 – und natürlich Verspätung
Startpunkt ist Berlin Hauptbahnhof. Abfahrt war bei mir planmäßig 20:11 Uhr, und ich hatte noch kurz Zeit für die Klassiker: Wasser, Snack, einmal tief durchatmen.
Kleiner Berlin-Moment: Im DB Navigator wird der Wagenstandsanzeiger nicht immer zuverlässig angezeigt, also habe ich mich an den Bahnsteiganzeigen orientiert. Ich war im Wagen 263, Bereich E – also „ganz nach hinten“.
Und dann ging’s los wie es losgehen muss, damit ein Reisevideo lebt: Der Zug war zur Abfahrtszeit… nicht da. Der DB Navigator meldete 7 Minuten Verspätung, später wurden es mehr. Dazu eine Weichenstörung zwischen Hbf und Südkreuz – und wenn du in dem Moment im Kopf schon die Domino-Kette siehst („Okay, wenn wir jetzt hängen, dann wird’s irgendwo später lustig…“), dann weißt du: Willkommen in der Realität.
Am Ende ging es mit rund 15 Minuten Verspätung los – und ich schaute durch ein Fenster, das so dreckig war, dass es eigentlich eine eigene Abteilung bräuchte: „Kunst im öffentlichen Raum“.
3) Schlafwagen-Check: 90er-Abteil, aber NFC-Zugang – bitte was?!
Kurz nach Abfahrt kam die Zugbegleiterin, kontrollierte das Ticket und nahm die Frühstücksbestellung auf. Und dann kam mein Lieblingsdetail: Ich bekam eine NFC-Karte als Abteil-Zugang. Das hat mich ehrlich überrascht, weil der Wagen optisch streckenweise nach 80er/90er schreit. Dieser Kontrast ist so absurd, dass er schon wieder sympathisch ist.
Der Eindruck beim Reinkommen
Mein Abteil war bereits in „Nachtkonfiguration“, Bett runtergeklappt, Bettzeug gesichert – ich musste im Prinzip nur noch ankommen.
Was mir sofort aufgefallen ist:
Waschbereich im Abteil (praktisch)
Steckdosen + USB (teilweise nachgerüstet, man sieht’s am Look)
Kippschalter (ich liebe diese „Industrie“-Ästhetik – aber es fühlt sich an wie im Museum)
Gepäckablagen, Haken, Leiter (solide)
Fenster: brutal schmutzig (ja, ich erwähne es nochmal)
Und dann sind da diese kleinen Details, die dir sofort sagen, wie „echt“ dieses Produkt ist: eine Klappe, die nicht richtig hält, ein Sitzplatz, der aussieht wie „Notsitz“, eine Mülltüte, die… kreativ platziert wurde.
Das „Knastwaschbecken“
Ich nenne es liebevoll so, weil es diesen minimalistischen Charme hat: klein, funktional, aber immerhin sauber. Für Zähneputzen und Gesicht waschen reicht es absolut.
4) Die Route: Von Berlin an der Elbe entlang bis Budapest-Nyugati
Für SEO, Planung und allgemeine Orientierung: Hier die Route, wie sie bei mir grob kommuniziert wurde:
Berlin
Dresden
Bad Schandau
Děčín (Tschechien)
Prag
Pardubice
Břeclav
Bratislava
und dann Richtung Budapest-Nyugati
Gerade der Abschnitt entlang der Elbe ist eigentlich wunderschön – nur blöd, wenn du auf der falschen Seite sitzt und es Nacht ist. Ich hatte das Fenster rechts, also war der „Elbe-Blick“ für mich eher so ein Mythos, von dem andere erzählen.
5) Schlafkomfort & Ruhe: Wie gut schläft man im Nachtzug wirklich?
Jetzt kommt der Punkt, der entscheidet, ob Nachtzug Berlin Budapest für dich „genial“ oder „nie wieder“ ist: Schlaf.
Wie war’s bei mir?
Ehrlich: gut.
Der Wagen lief überraschend ruhig.
Die Geräuschkulisse war angenehm.
Das Bett war bequem – und wichtig: Mit meinen 1,88 m konnte ich gut liegen.
Was mir gefehlt hat: ein größeres Kissen. Das ist so ein Nachtzug-Ding: Du denkst, „Single-Abteil = Premium = Kissen passt schon“, und dann ist da dieses kleine Kissen, das eher wie eine symbolische Geste wirkt.
Mein Tipp bleibt: Reisekissen oder dicker Hoodie als Backup. Ich habe mir letztlich mit einer zusätzlichen Decke ausgeholfen.
Nachtruhe & Durchsagen
Es gab die Bitte, die Nachtruhe einzuhalten (klassisch), und danach wurden Durchsagen reduziert. Das ist Gold wert. Nichts ist schlimmer als „alle 20 Minuten ein Update“, während dein Gehirn gerade endlich runterfährt.
6) Frühstück: „Brötchen“ – ja… eher so „Gebäckobjekte“
Morgens kam das Frühstück. Und es war… okay.
Nicht katastrophal, aber auch nicht der Moment, wo du sagst: „Wow, dafür liebe ich Nachtzüge!“ Ich hatte schon schlechteres (italienische Nachtzüge können da ebenfalls kreativ sein), aber es war im Vergleich zu modernen Nightjet-Frühstücken spürbar einfacher.
Wenn dir Frühstück wichtig ist: Nimm dir was mit. Nachtzug-Profi-Move ist sowieso: ein richtiges Frühstück einpacken und das Zugfrühstück eher als Bonus sehen.
7) Dusche im Wagen: vorhanden, aber nicht für dich (bei mir)
Ein Punkt, der bei vielen den Unterschied macht: Dusche.
Es gab im Wagen eine Dusche „für den gesamten Wagen“, aber der Zugang war bei mir abgesperrt – durch eine Tür, die den Gang abtrennt. Ergebnis: Du kommst faktisch nicht ran (zumindest nicht aus dem Schlafwagenbereich, so wie ich es erlebt habe).
Das ist wichtig für Erwartungen: Wenn du morgens geschniegelt und geschniegelt in Budapest aussteigen willst wie nach einem Business-Hotel – plane lieber anders. Nun muss man fairerweise sagen, dass ich 1. nicht nachgefragt habe, da ich gerade frisch geduscht die Reise angetreten bin und 2. es im Sommer sicherlich anders aussieht.
8) Preis & Buchung: 223 € – fair oder zu viel?
Ich habe 223 € bezahlt für ein Single-Schlafwagenabteil. Und ja, das ist Geld. Aber die faire Bewertung ist:
Schlafwagen Single ist fast immer teuer.
Du sparst dir eine Hotelnacht (je nachdem, was du sonst gebucht hättest).
Du sparst Zeit und Nerven beim Umsteigen/Flughafen.
Ich habe über die Deutsche Bahn gebucht – nicht, weil es günstiger war (war es nicht), sondern wegen des Themas durchgehendes Ticket + Fahrgastrechte. Wenn du Zubringer-ICE + Nachtzug kombinierst, kann das Gold wert sein.
Kurz: Preis im Mittelfeld für Europa, nicht billig, aber auch nicht absurd – besonders, wenn du Single willst.
9) Ausstattung & Technik: Was du wirklich bekommst
Positiv
NFC-Abteilkarte (modernes Detail, das man nicht erwartet)
Steckdosen + USB (praktisch)
Waschbecken im Abteil (mega)
Ruhige Fahrt (bei mir zumindest)
Neutral / typisch Nachtzug
Kein WLAN (außer du hast Glück bei anderen Anbietern)
Oldschool-Interieur, teils „Patina“
Negativ
Fensterzustand (bei mir extrem dreckig)
Dusche nicht zugänglich
Kissen klein
Frühstück eher basic
10) Kurzer Gear-Abschnitt (mit Hinweis)
Ich war auf dieser Tour mit dem tomtoc T66 (40L) unterwegs und zusätzlich mit einer tomtoc Slingbag für alles, was man im Zug schnell griffbereit haben will (Pass, Handy, Kopfhörer, Powerbank). Gerade im Nachtzug ist das praktisch, weil du nicht ständig am großen Gepäck rumwühlen willst.
11) Tipps für deine Fahrt im Nachtzug Berlin Budapest
Damit du nicht die gleichen kleinen „Aua“-Momente hast wie ich:
Vor der Fahrt
Kissen/Backup einpacken (Reisekissen oder Hoodie)
Snacks & Wasser mitnehmen (Frühstück nicht überbewerten)
Powerbank (falls Steckdose zickt)
Ohrstöpsel (auch wenn’s ruhig ist: Nachbarn können laut sein)
Schlafmaske (für Bahnsteiglicht / Ganglicht)
Während der Fahrt
Wertsachen in eine Slingbag oder kleine Tasche
Abteil nach dem Reinkommen einmal „einrichten“: Wasser, Ladekabel, Zahnbürste griffbereit
Wenn du empfindlich bist: lieber früh bettfertig machen, bevor der Körper zu müde wird
Buchung
Wenn du Zubringer hast: durchgehend buchen, wenn möglich
Wenn du Single willst: früh buchen – dass ich 10 Tage vorher noch eins bekommen habe, war Glück
12) FAQ: Häufige Fragen zum Nachtzug Berlin Budapest
Wie lange dauert der Nachtzug Berlin Budapest? Bei mir waren es etwa 12 Stunden (inklusive leichter Verspätung).
Kommt man morgens halbwegs fit an? Wenn du gut schläfst: ja. Ich fand das Bett bequem und die Nacht ruhig.
Gibt’s WLAN? Bei mir: nein. Plane lieber mit eigenem Datenvolumen oder Offline-Entertainment.
Ist der Schlafwagen sein Geld wert? Wenn dir Privatsphäre wichtig ist und du wirklich schlafen willst: eher ja. Wenn du auch mit Liegewagen klarkommst, bekommst du es günstiger.
Ist das eher „modern“ oder „retro“? Beides. Optisch teilweise retro, aber dann wieder moderne Details wie NFC-Karte und nachgerüstete Stromversorgung.
Fazit: Lohnt sich der Nachtzug Berlin Budapest?
Unterm Strich: Ja – wenn du weißt, worauf du dich einlässt.
Der Nachtzug Berlin Budapest ist nicht dieser perfekte, geschniegelt-polierte Premium-Nightjet-Traum. Er ist eher: „Echter Nachtzug“, mit Patina, kleinen Macken und diesem gewissen osteuropäischen Pragmatismus – aber mit einem überraschend guten Schlafkomfort und einem Reisegefühl, das du im Flugzeug einfach nicht bekommst.
Wenn du:
gern Zugreisen machst,
über Nacht Strecke fressen willst,
und morgens in Budapest aussteigen willst mit „Ich war schon unterwegs, während andere geschlafen haben“,
…dann ist das ein richtig gutes Erlebnis.
Wenn du dagegen super empfindlich bist bei Komfortdetails (Kissen, Dusche, Frühstück), dann solltest du entweder:
stärker vorbereiten (siehe Tipps),
oder eine Alternative wählen, die mehr „Hotel-Gefühl“ bietet.
Wie sieht es bei dir aus?
Hast du den Nachtzug Berlin Budapest schon gefahren – oder würdest du es lieber mit Liegewagen probieren? Schreib’s in die Kommentare.