Vergesst alles, was ihr über Flixbus in Deutschland zu wissen glaubt. Meine Flixbus Türkei Erfahrung war in vielerlei Hinsicht das komplette Gegenteil von dem, was ich aus Mitteleuropa kenne: 2-1 Bestuhlung, überraschend viel Komfort, ein kleiner Snack-Service – und dann eine Nacht an der Grenze, die ich so schnell nicht vergessen werde.
In diesem Blogartikel nehme ich euch mit auf meine Reise von Constanța (Rumänien) nach Istanbul – inklusive Buchung, Sitzplatz-System, Pausen-Realität (Spoiler: keine Toilette), Grenzkontrolle und meinem Fazit, ob das Ganze eher beste Idee oder kompletter Wahnsinn war.
Übersicht
👉 Wichtig: Wenn ihr das Ganze nicht nur lesen, sondern wirklich erleben wollt: Im passenden YouTube-Video seht ihr die Stimmung im Bus, die Nachtfahrt, den Grenzstress und die Ankunft in Istanbul nochmal viel intensiver. (Das Video findet ihr wie immer bei mir auf dem Kanal.)
Warum diese Flixbus Türkei Erfahrung so anders ist als in Deutschland
In Deutschland verbinden viele Flixbus mit engem Sitzabstand, wechselnder Busqualität und dem berühmten „WLAN, das es theoretisch geben soll“. Genau mit dieser Erwartung bin ich auch in diese Nacht gestartet – und wurde überrascht.
Denn in der Türkei (und generell auf dieser Route) kann „Flixbus“ etwas bedeuten, das eher nach Premium-Fernbus klingt. Nicht immer, nicht auf jeder Strecke – aber mein Bus auf dieser Fahrt hatte ein Komfort-Setup, das ich bei Flixbus in Deutschland wirklich selten bis nie gesehen habe: 2-1 Bestuhlung statt 2-2, dadurch deutlich mehr Platz, entspannteres Sitzen und insgesamt ein „wertigeres“ Reisegefühl.
Das Ganze ist nicht einfach nur „ein anderer Bus“. Es ist auch ein anderes Reiseprodukt, eine andere Kultur des Fernbusreisens – und teilweise auch ein anderes System beim Ticketkauf. Und genau das macht diese Reise so spannend.
Kâmil Koç Flixbus: Warum der „türkische Ableger“ überhaupt Flixbus ist
Der Name, der auf dieser Fahrt eine zentrale Rolle spielt, ist Kâmil Koç. Das ist keine neue Marke und auch keine „Marketing-Erfindung“, sondern ein echtes Traditionsunternehmen: gegründet 1926 und damit seit rund 100 Jahren im Geschäft.
Das Entscheidende für alle, die sich fragen, warum ich von „türkischem Flixbus“ spreche: Kâmil Koç gehört zu Flix – nicht als lockerer Partner, sondern als Übernahme. FlixMobility hat das Unternehmen 2019 gekauft. Praktisch bedeutet das: Du buchst in vielen Fällen über Flix – aber das Erlebnis kann sich trotzdem deutlich unterscheiden, weil Busse, Service und Abläufe lokal geprägt sind.
Und genau diese Mischung macht’s: „Technisch Flixbus – gefühlt ein anderes Level.“

Bus Constanța Istanbul: Start am Busbahnhof mit kleiner Maps-Falle
Los geht’s in Constanța, direkt am Schwarzen Meer in Rumänien. Klingt erstmal entspannt – ist es auch… bis man den Busbahnhof sucht.
Kleiner, aber wichtiger Hinweis (und genau deshalb schreibe ich’s so deutlich): Bei Maps besteht Verwechslungsgefahr. Der Busbahnhof wird gerne direkt am Bahnhofsvorplatz angezeigt, tatsächlich liegt er aber ein paar Minuten zu Fuß daneben. Das sind keine 30 Minuten Wanderung – eher so 4–5 Minuten, aber wenn man mit Gepäck unterwegs ist, bei Kälte oder knappem Timing, kann das nerven.
Als ich dann ankomme, sehe ich ihn: mein „Mercedes-Fake-Flixbus“ im leicht schummrigen Licht. Ein bisschen mysteriös, ein bisschen Roadmovie. Und während ich noch denke „Okay, vielleicht bin ich wirklich allein im Bus“, stellt sich später heraus: Nope. Es sind schon einige Leute dabei – aber der Bus wirkt so großzügig, dass es kaum auffällt.
Ticket & Buchung: 30€ – und plötzlich ist Sitzplatzwahl richtig fair
Mein Ticket für diese Strecke hat 30 € gekostet. Und das Überraschende: Sitzplatzreservierung und Sitzplatzauswahl waren inklusive.
Keine Stufen, keine „Panorama-Sitz“-Aufpreise, kein „dieser Platz kostet extra, weil… Gründe“. Einfach auswählen und gut.
Was mich beim Buchen aber wirklich überrascht hat (und das gehört zu einer ehrlichen Flixbus Türkei Erfahrung dazu):
Man muss angeben, ob man Mann oder Frau ist – und man sieht in der Sitzübersicht teilweise, ob neben einem ein Mann oder eine Frau sitzt.
Warum dieses System existiert (und warum es nicht automatisch „weird“ sein muss)
In der Türkei ist das bei vielen Mobilitätsanbietern üblich: Das System versucht zu vermeiden, dass fremde Männer und Frauen automatisch nebeneinander auf einem Doppelsitz landen. Hintergrund ist vor allem Komfort – und auch das Sicherheitsgefühl, besonders bei Alleinreisenden.
Wichtig: Das ist nicht zwingend ein Gesetz, sondern eher Branchenpraxis, die dann in den Beförderungsbedingungen der Anbieter steht. Und ja: Das findet man nicht nur beim Fernbus, sondern teils auch im Bahnverkehr.
Ob man das gut oder überholt findet, ist eine Diskussion für sich. Für mich war es erstmal ungewohnt – aber als kulturelle Praxis vor Ort nachvollziehbar.
2-1 Bestuhlung Reisebus: Der Komfort-Gamechanger der Nacht
Jetzt kommt der Punkt, der dieses Erlebnis wirklich trägt: 2-1 Bestuhlung.
Stellt euch einen Reisebus vor, in dem auf einer Seite zwei Sitze, auf der anderen Seite ein einzelner Sitz ist. Das bedeutet:
- weniger „Schulterkontakt“-Stress
- mehr Bewegungsfreiheit
- entspannteres Sitzen, gerade nachts
- und gefühlt mehr „Premium“
Dazu gab es direkt vor dem Start kleine Mini-Küchlein – plus Wasser, das kurioserweise in einem Puddingbecher serviert wurde. Seltsame Darreichungsform, aber hey: gratis Snack ist gratis Snack.
Ich will hier nichts romantisieren: Es ist immer noch ein Bus. Aber es ist ein Bus, bei dem ich nach den ersten Minuten dachte: „Okay, das ist wirklich ein anderes Level als das, was ich aus Deutschland kenne.“
Bus fahren in der Türkei: Komfort ja – aber die Blase verliert
So gut der Komfort ist: Nachtbus bleibt Nachtbus. Und jetzt kommen die Dinge, die man bei einer realistischen Bewertung nicht unterschlagen darf.
Der Bus hatte keine Toilette. Bedeutet:
Luxus ja – Blase nein.
Das Ergebnis: mehrere Stopps, unter anderem eine klassische Pinkelpause kurz vor der bulgarischen Grenze. Und da passiert etwas, das mich wirklich zum Grinsen gebracht hat:
Ich stehe in irgendeinem Rasthäuschen, weit weg von jeder Großstadt, ohne Bargeld, ohne Leva, ohne Ron – und denke kurz, ich müsste jetzt irgendwie kreativ werden. Und dann liegt da neben dem Kleingeldteller einfach ein EC-Gerät, und ich bezahle meinen WC-Besuch mit American Express.
Digitalisierung in der Pampa: 1
Deutschland: 0

Nachtfahrt durch Bulgarien: Bremshügel, Kurven – und der WLAN-Fluch
Nach der Pause geht’s weiter durch Bulgarien, und man merkt schnell: Das ist keine schnurgerade Autobahn-Cruise. Es ist kurviger, es ist mehr Landstraße – und Bulgarien scheint eine besondere Liebe für Bremshügel zu haben.
Alle paar Kilometer: Dörfchen – zack – Bus nickt einmal. Unangenehm ist es nicht, weil der Mercedes gut federt, aber man merkt’s.
Pro-Tipp aus der Praxis:
Wenn ihr zu Reiseübelkeit neigt: Nehmt euch Reisetabletten mit. Nacht + Kurven + Bremshügel ist nicht die Traumkombination für jeden Magen.
Und ja, natürlich gab es „WLAN an Bord“. Und ja, natürlich hat es nicht funktioniert. Ich habe inzwischen das Gefühl, das ist ein persönlicher Flixbus-Fluch, der mich international verfolgt.
Nachtbus nach Istanbul: Von entspannter Stimmung zu „Was passiert hier gerade?“
Bis kurz vor der Grenze war die Stimmung im Bus ziemlich entspannt. Ein paar Leute schauen TikTok, irgendwann wird’s leiser, ich höre Podcasts, döse weg. Klassische Nachtbus-Atmosphäre: dunkel, ruhig, dieses „wir sind alle zusammen in einem mobilen Kokon“-Gefühl.
Und dann: Grenze.
Zuerst läuft alles normal. Bulgarische Ausreise, kurze Fragen. Ich werde auf Deutsch gefragt, was ich in der Türkei vorhabe. Ich denke mir kurz: „Hä, was geht dich das an?“ – aber vermutlich war es eher Interesse, weil ich als Deutscher in einem Bus voller türkischer Reisender wohl auffalle.
Ich antworte freundlich: Istanbul anschauen. Alles gut.
Und dann beginnt der Teil, der diese Flixbus Türkei Erfahrung plötzlich von „komfortabel“ zu „absurd“ kippen lässt.
Grenzkontrolle Türkei: Aussteigen, Gepäck rüber, Metalldetektor… normal – bis der Bus verschwindet
An der türkischen Grenze wird der Pass abgestempelt. Man denkt: Okay, durch.
Aber nein. Wir steigen wieder ein, fahren vielleicht 30 Meter – und müssen wieder raus. Alle. Mit Gepäck. Auch das Gepäck aus dem Bauch des Busses. Ab in ein Kontrollgebäude, durch Metalldetektor, Gepäck wird geröntgt.
Bis hier: nervig, aber normal.
Dann wird es hektisch. Es wird diskutiert zwischen Grenzbeamten und Busfahrern. Wir steigen nochmal aus, nochmal Gepäck, nochmal rein ins Gebäude. Kurze türkische Ansagen, ich verstehe nur Bahnhof. Und dann passiert’s:
Unser Bus fährt einfach weg.
Nicht „ein Stück vor“. Nicht „fährt kurz zur Seite“. Sondern: weg.
Und er bleibt weg.
10 Minuten.
20 Minuten.
30 Minuten.
Es regnet wie aus Eimern. Ich stehe da, mitten in der Nacht, irgendwo zwischen EU und Türkei, mit Gepäck, und fange an, meine Reiseentscheidungen neu zu bewerten. Ein Kätzchen taucht auf, ein deutscher BMW wird kontrolliert, und die Insassen schimpfen auf Deutsch – was in dem Moment fast schon unfreiwillig unterhaltsam ist, weil es die Absurdität dieser Situation noch verstärkt.
Nach etwa 45 Minuten kommt der Bus wieder. Endlich. Rein in die Wärme, raus aus dem Nasskalten. Und ich bin ehrlich: Dieser Grenzpart war gleichzeitig lustig, frustrierend und einfach nur surreal.
Ankunft in Istanbul: Esenler Otogar und das „Ich bin doch noch okay“-Gefühl
Es ist ungefähr 02:30 Uhr, als ich wieder im Bus sitze und noch schnell meine türkische eSIM aktiviere. Dann döse ich weiter.
Um 05:25 Uhr wache ich auf – und wir sind schon am Istanbuler Busbahnhof. Ein massiver, brachialer Bau, gefühlt ein eigenes kleines Universum aus Busbuchten, Ebenen und Terminals.
Und das Überraschende: Wir sind sogar 30 Minuten vor Plan da.
Ich packe zusammen, raus in die Stadt – und merke: Klar, ich bin müde. Aber ich bin nicht so zerstört, wie ich es von Nachtbusfahrten (besonders aus Deutschland) erwartet hätte.
Fazit: War diese Flixbus Türkei Erfahrung wirklich „besser als Deutschland“?
Ich hatte Nachtbus eigentlich abgehakt. Vor ein paar Jahren eine furchtbare Nachtfahrt mit Flixbus von NRW nach Paris – seitdem war ich Team „nie wieder“.
Aber: Bei dieser Reise hat mich die Neugier gepackt. Neue Route, neuer Anbieter, und immer wieder Kommentare unter meinen Bus-Videos: „In der Türkei ist das ein anderes Level.“
Und ja – das stimmt. Der Komfort war deutlich besser als bei dem, was viele von uns von Flixbus in Deutschland kennen.
- 2-1 Bestuhlung ist ein echter Gamechanger
- Sitze und Beinfreiheit waren top
- Fahrer wirkten souverän
- Bus war nicht nagelneu, aber gepflegt
- und ich war nach vier Stunden Schlaf „überraschend okay“
Aber: Man muss fair bleiben.
- Keine Toilette ist nachts ein echter Nachteil
- Land-Grenzkontrollen können Zeit und Nerven kosten
- und das Erlebnis hängt stark von Strecke, Bus und Tagesform ab
Trotzdem bleibt mein Eindruck: Wenn du in der Türkei (bzw. mit türkischen Fernbus-Anbietern) unterwegs bist, kann Fernbusreisen wirklich komfortabler sein als das, was wir bei uns gewohnt sind.
Praktische Tipps aus der Fahrt (wenn du das nachmachen willst)
1) Plane Puffer für die Grenze ein.
Selbst wenn alles glatt läuft, kann es dauern. Und wenn es nicht glatt läuft… na ja, siehe „Bus verschwindet“-Moment.
2) Nimm Bargeld mit – aber unterschätze Kartenzahlung nicht.
Es kann sein, dass du zahlen musst (WC), und es ist Gold wert, zumindest ein bisschen Cash in der Tasche zu haben. Gleichzeitig: Du wirst überrascht sein, wie oft Kartenzahlung möglich ist.
3) Reisetabletten sind kein Overkill.
Kurven + Bremshügel + Nacht = für manche eine echte Herausforderung.
4) Powerbank & Offline-Unterhaltung.
Verlass dich nicht aufs WLAN. Wirklich nicht.
5) Zieh dich für „draußen im Regen“ an.
Grenze heißt oft: raus, stehen, warten. Warm und trocken gewinnt.
Hinweis zum Video: Da siehst du die Stimmung wirklich
Dieser Blogartikel basiert auf meiner Reise und dem Ablauf aus dem Transkript – aber wie immer gilt: Das Video zeigt das Gefühl. Der Look des Busses, die nächtliche Atmosphäre, die Situation an der Grenze und die Ankunft in Istanbul wirken visuell nochmal ganz anders als in Textform. Wenn du also entscheiden willst, ob du das selbst machen würdest: Schau dir unbedingt das YouTube-Video dazu an.
Ausblick: Wenn dich solche Reisen interessieren…
Diese Fahrt ist Teil einer größeren Reise-Serie, in der ich mich Stück für Stück bis nach Istanbul vorarbeite – mit Bahn, Bus und allem, was dazugehört. Und es geht weiter: Im nächsten Teil steht der „türkische ICE“ auf dem Plan, inklusive Vergleich Business vs. Economy und einem Blick auf Kosten und Unterschiede.
Wenn du also Bock auf ungewöhnliche Overland-Routen hast: Bleib dran.
