Der Nachtzug Wien Bukarest steht bei vielen ganz oben auf der Bucketlist: Einmal quer durch Mitteleuropa, abends in Wien einsteigen, am nächsten Tag in Rumänien aussteigen – und dazwischen dieses klassische Nachtzuggefühl, das in Westeuropa immer seltener geworden ist. Klingt nach Abenteuer, nach Nostalgie, nach „Hotel auf Schienen“.
Übersicht zum Artikel
Die Realität? Sie kann genau das sein – und gleichzeitig ein kleiner Reality-Check.
Ich bin die Strecke im CFR Dacia Express (EN/D 347) gefahren: Abfahrt 18:30 Uhr in Wien, Ankunft 13:40 Uhr in Bukarest (Ortszeit, +1 Stunde gegenüber Wien). Ich hatte ein Single-Schlafwagenabteil gebucht (Preisanteil 200€, Gesamt 220€ inklusive eines weiteren Zuges im Reiseverlauf). Und dann ist nachts etwas passiert, das den gesamten Komfort-Faktor auf den Kopf gestellt hat: Die Heizung ist ausgefallen. Dazu später mehr.
In diesem Artikel bekommst du meine Erfahrung als ausführlichen Reisebericht – aber vor allem: 15 knallharte Tipps, die du vor der Buchung kennen solltest, damit du nicht unvorbereitet in eine 18-Stunden-Fahrt stolperst.
Die wichtigste Wahrheit zuerst: Dieser Nachtzug ist kein moderner Nightjet
Wenn du einen neuen Nachtzug mit „Premium“-Standard erwartest, bist du hier falsch abgebogen. Der Dacia Express ist eher das, was viele romantisch „klassisch“ nennen – und was man nüchtern „älteres Wagenmaterial mit wechselndem Zustand“ nennt. Das ist nicht automatisch schlecht: Für Eisenbahn-Fans ist genau das oft der Reiz. Aber du musst mit realistischen Erwartungen reingehen.
Ich hatte den Eindruck: Die Wagen sind grundsätzlich funktional, aber es gibt viele Kleinigkeiten, die deutlich machen, dass hier nicht alles auf Hochglanz getrimmt ist. Und bei Nachtzügen gilt eben: Wenn die Basics wackeln, merkst du das doppelt – weil du nicht einfach „kurz aussteigen“ oder „mal eben“ improvisieren kannst.
Video zur Reise
Wenn du die komplette Fahrt im Bewegtbild sehen willst – inklusive O-Töne, Eindrücke vom Abteil und dem Moment, an dem die Nacht kippt – kannst du das Video hier sehen:
Meine Route & Eckdaten (damit du die Fahrt einordnen kannst)
- Start: Wien Westbahnhof
- Abfahrt: 18:30 Uhr
- Zwischenpunkt: Budapest-Kelenföld (Ankunft bei mir 21:41 Uhr)
- Rumänien-Abschnitt: u. a. Region Brașov / Karpaten
- Ziel: Bukarest Nord
- Ankunft: 13:40 Uhr (Bukarest Ortszeit, +1h)
Der Zug war schon lange vor Abfahrt am Bahnsteig. Das klingt erstmal praktisch, aber es führt auch dazu, dass man sich schnell „zu früh“ in den Ablauf reinzieht und am Ende am Bahnsteig steht und wartet – und bei 18 Stunden Reisezeit ist Energie-Management nicht unwichtig.
15 knallharte Tipps vor der Buchung „Nachtzug Wien Bukarest“
1) Plane den Zug wie ein kleines Abenteuer – nicht wie ein Hotel
Das ist der wichtigste Mindset-Tipp: Der Nachtzug Wien Bukarest kann wunderschön sein, aber er ist kein garantiert „smoothes“ Produkt. Wenn du die Reise als Erlebnis buchst, verzeihst du eher kleinere Macken. Wenn du „perfekten Schlafkomfort“ erwartest, nervt dich jedes klappernde Scharnier doppelt.
2) Nimm Essen & Wasser IMMER selbst mit
Ich habe mir am Bahnhof bewusst noch Gebäck und Wasser geholt. Und ich war froh, denn: Auf Bordgastronomie würde ich mich hier nicht verlassen. Selbst wenn irgendwo steht, dass es etwas geben könnte – plane so, als gäbe es nichts. 18 Stunden ohne „sichere Versorgung“ sind sonst unnötig stressig.
Minimal-Setup: Wasser, Snack, etwas Salziges, etwas Süßes, und im besten Fall ein „richtiges“ Sandwich/Wrap. Aber keine Angst. Der Wiener Westbahnhof hat einiges zu bieten.
3) Rechne damit, dass Beschilderung außen fehlen kann
Bei mir waren außen keine klaren Wagennummern/Zuglaufschilder angebracht – das kann zu Chaos führen, besonders wenn du nicht allein bist oder mehrere Personen versuchen, den richtigen Wagen zu finden. Das ist kein Weltuntergang, aber: Plane ein, dass du ggf. nachfragen musst und nicht alles „selbsterklärend“ ist.
4) Steckdosen sind Gold – aber bring trotzdem eine Powerbank
In meinem Abteil waren Steckdosen praktisch platziert. Trotzdem: In alten Wagen kann immer etwas ausfallen oder wackeln. Eine Powerbank ist kein „Nice-to-have“, sondern eine Versicherung – gerade, wenn du filmst, navigierst, schreiben willst oder einfach nicht mit 3% Akku in Brașov stehen möchtest.

5) Ohrstöpsel einpacken (und zwar gute)
Nachtzüge machen Geräusche. Punkt. Klackern, Schwingen, Türen, Scharniere, das typische „Zuckeln“. Bei mir war zusätzlich eine Klappe/Abdeckung im Waschbereich, die nicht sauber schloss und bei Geschwindigkeit nervig schepperte. Ohrstöpsel sind hier dein bester Freund – und sie kosten weniger als ein Kaffee am Bahnhof.
6) Single-Abteil heißt nicht automatisch Premium
Ich hatte ein Single-Schlafwagenabteil gebucht (200€ Anteil). Privatsphäre war top. Aber „Premium“ im Sinn von „perfekt sauber, perfekt komfortabel, perfekt leise“ war es nicht. Wenn du buchst, buche Single primär für Privatsphäre, nicht für Luxus.
7) Prüfe deine „Matratze“ sofort – du willst nicht nachts überrascht werden
Das klingt banal, aber: Schau dir die Schlafunterlage an, sobald du drin bist. Bei mir war das eher eine Schaumstoffauflage als eine echte Matratze. Man kann darauf schlafen – aber wenn du Rücken/Zipperlein hast oder einfach empfindlich bist, willst du das früh wissen, um ggf. nochmal nach einer Alternative zu fragen (wenn möglich).
8) Waschtuch/Feuchttücher/Desinfektion sind Pflicht
Der Waschbereich kann je nach Tag/Wagen ok sein oder… sagen wir: „mutig“. Ich hatte Stellen, die optisch nicht schön waren. Das willst du nicht dramatisieren, aber du willst vorbereitet sein. Feuchttücher + kleines Desinfektionsgel lösen 80% der „Ich will das nicht anfassen“-Momente.
9) Flip-Flops oder Badelatschen mitnehmen
Klingt nach Camping, ist aber in Nachtzügen einfach clever – egal ob im Gang, im Waschbereich oder bei Nacht-Toilettengängen. Du musst nicht barfuß irgendwo hin treten, wo du es nicht willst.
10) Temperatur-Backup: Mütze + warme Schicht
Ich schlafe lieber kühl. Das war mein „Argument“, warum ich nachts erstmal nicht umziehen wollte. Aber: Als die Heizung ausfiel, wurde aus „kühl“ schnell „eiskalt“. Morgens war meine Scheibe sogar eingefroren.
Fazit: Nimm eine warme Schicht (Hoodie/Fleece) und im besten Fall eine Mütze mit. Du musst sie nicht brauchen – aber wenn du sie brauchst, bist du froh.
11) Wenn Technik ausfällt: Entscheide früh, nicht heroisch
Bei mir klopfte der Zugbegleiter gegen 03:40 Uhr: Heizung kaputt, Wagen wird kalt. Ich blieb zunächst im Schlafwagen, weil ich dachte, es geht schon. Später – kurz nach 08:00 Uhr – bin ich doch umgezogen, weil es unangenehm wurde und Wasser ebenfalls abgestellt war.
Rückblickend: Wenn du merkst, dass du leidest, entscheide früh. „Ich halte das jetzt noch durch“ klingt tapfer, ist aber selten clever.

12) Umzug in den Sitz-/Abteilwagen ist nur ein Notpflaster
Der Sitz-/Abteilwagen war wärmer – sofort spürbar. Aber: Wenn du dort keinen Platz gebucht hast, sitzt du auf einer Art „Duldung“. Der Wagen kann voll werden, und dann musst du weichen. Genau das ist später passiert: In Brașov wurde der Zug voll, und ich musste mein Abteil räumen.
Merke: Das ist eine Hilfe, aber kein Ersatz für die gebuchte Leistung.
13) Toiletten können der Dealbreaker sein – plane mental damit
Ich will das Thema nicht breit treten, aber es gehört zur Wahrheit: Der Zustand der Toiletten im Abteilwagen war bei mir sehr schlecht (mehrere defekt, eine übergelaufen, Spülungen problematisch). Ob das direkt mit den Temperaturen (bei mir ca. −10°C draußen) zusammenhing, kann ich nicht sicher sagen. Aber du solltest es wissen: In langen Nachtzugfahrten sind Toiletten kein Nebenthema – sie entscheiden über deine Laune.
14) Buchungsweg merken: ÖBB vs. CFR kann später wichtig werden
Wenn du nur Wien–Bukarest buchst, geht das oft bequem über die ÖBB. Wenn du – so wie ich – noch andere Züge im Reiseverlauf hast, kann es sein, dass du direkt bei der CFR kaufen musst. Der Buchungsweg kann relevant sein, wenn du später wegen Ausfällen/Erstattung kommunizieren willst.
15) Erstattung/Entschädigung: Dokumentiere alles, bleib sachlich
Wenn eine Kernleistung ausfällt (z. B. Heizung/Wasser/Schlafwagen nicht nutzbar), solltest du zumindest überlegen, eine (Teil-)Rückerstattung anzufragen. Ein Schlafwagenprodukt besteht nicht nur aus „Bett vorhanden“, sondern aus Komfort-Basics.
Mein Vorgehen (empfohlen):
- Ticket/Belege sichern
- Uhrzeiten notieren (z. B. Heizungsausfall 03:40 Uhr, Umzug nach 08:00 Uhr)
- Fotos machen (z. B. eingefrorene Scheibe, Hinweise, Zustand)
- sachlich formulieren: „gebuchte Leistung nicht erbracht, Ersatz war Sitz-/Abteilwagen“
- realistische Forderung: Teilrückerstattung statt Fantasie-Full-Refund
Wie war das Schlafwagenabteil wirklich? (Kurzfazit)
Positiv: Steckdosen, Tisch, Privatsphäre, grundsätzlich „machbar“ zum Schlafen.
Negativ: Unterlage eher „Auflage“ als Matratze, Waschbereich nicht überzeugend, klappernde Elemente, und der große Faktor: technischer Ausfall (Heizung + Wasser).
Wenn alles funktioniert, ist es ein rustikales, klassisches Nachtzugerlebnis. Wenn nicht, kippt es schnell.
Das Beste an der Reise: Rumänien am Morgen & die Karpaten
Trotz allem: Der landschaftliche Teil war für mich einer der Gründe, warum ich das überhaupt machen wollte. Die Gegend um Brașov ist wunderschön, und die Strecke durch die Karpaten hat dieses „Europa kann noch wild aussehen“-Gefühl. Dünn besiedelt, viel Natur, tolle Lichtstimmung – genau das macht die Route für Reise- und Bahncontent so stark.
Wenn du das Video siehst, wirst du merken: Diese Momente sind der „Payoff“, der vieles relativiert – zumindest emotional.
Mein persönliches Fazit zum Nachtzug Wien Bukarest
Ich bin ehrlich zwiegespalten.
Der Eisenbahn-Fan in mir: glücklich, weil klassische Nachtzugstrecke, Erlebnis, Bucketlist.
Der „Kunde“ in mir: genervt, weil eine gebuchte Kernleistung nicht stabil geliefert wurde, und weil Basics wie Wärme/Wasser/Toiletten ein Mindeststandard sein sollten.
Würde ich ihn wieder fahren?
Als Erlebnis: ja, irgendwann.
Als „bequem ankommen“: nur, wenn ich mich mental auf alles einstelle.
Wenn du die Fahrt planst, mach es so:
- Buche es als Erlebnis, nicht als Luxusreise.
- Bereite dich so vor, als müsstest du ein bisschen improvisieren.
- Dann kann es richtig gut werden.
FAQ – Nachtzug Wien Bukarest
Wie lange dauert der Nachtzug Wien–Bukarest?
Bei mir waren es rund 18 Stunden: Abfahrt 18:30 Uhr in Wien, Ankunft 13:40 Uhr in Bukarest (Ortszeit, +1 Stunde).
Wie heißt der Zug genau?
Die Verbindung läuft als EN/D 347, oft bekannt als CFR Dacia Express.
Gibt es im Schlafwagen eine private Dusche?
In meinem Single-Abteil gab es ein Waschbecken, aber keine private Dusche im Abteil.
Gibt es Frühstück an Bord?
Verlass dich nicht darauf. Es kursieren unterschiedliche Infos. Ich empfehle: selbst mitnehmen.
Lohnt sich ein Single-Schlafwagenabteil?
Für Privatsphäre: ja. Für „Premiumkomfort“: nur eingeschränkt – hängt stark vom Wagenzustand ab.
Was passiert, wenn die Heizung ausfällt?
Im besten Fall bietet das Personal Alternativen an (z. B. Umzug in einen wärmeren Wagen). Das ist aber meist nur ein Notpflaster. Wichtig: dokumentieren und ggf. (Teil-)Erstattung anfragen.
Kann ich den Nachtzug Wien–Bukarest über die ÖBB buchen?
Oft ja, wenn es nur um diese Verbindung geht. Bei komplexeren Reiseverläufen kann eine Buchung direkt bei der CFR nötig sein.
Ist die Strecke landschaftlich wirklich so gut?
Ja – besonders am Morgen in Rumänien und beim Abschnitt durch die Karpaten.
Was sollte ich unbedingt einpacken?
Ohrstöpsel, Powerbank, Feuchttücher/Desinfektion, Wasser & Snacks, warme Schicht/Mütze, Flip-Flops, Ladekabel doppelt.