Business Class im türkischen ICE-Zwilling, Frühstück inklusive, spannende Features an Bord und ein Preis, bei dem ich kurz dachte, das kann nicht stimmen: In diesem Artikel nehme ich dich mit auf meine Fahrt mit dem türkischen ICE, genauer gesagt dem Velaro TR im türkischen YHT-Hochgeschwindigkeitsverkehr.
Ich war auf der Strecke rund um Istanbul unterwegs, habe erst die Business Class getestet und später auch die Economy Class, inklusive Sicherheitskontrolle, Bahnsteig-Erlebnis, Bordservice, WLAN-Frust, Marmaray-Moment zwischen Europa und Asien und einem ehrlichen Fazit, was die Türkei beim Zugfahren besser macht – und was eben nicht.
Wenn du lieber schaust statt liest: Das komplette Erlebnis gibt’s natürlich auch als Video auf meinem YouTube-Kanal. Den passenden YouTube-Test zum türkischen ICE (Velaro TR) solltest du dir unbedingt anschauen – vor allem für die Bilder aus dem Zug, den Marmaray-Moment und den direkten Eindruck vom Innenraum.
Übersicht
Warum ich überhaupt den türkischen ICE testen wollte
Ich liebe Züge. Aber nicht nur dieses klassische „Hauptsache schnell“-Thema, sondern vor allem die Unterschiede zwischen Ländern: Wie läuft Boarding? Wie ist der Komfort? Wie sind Ansagen, Service, Preis-Leistung und das ganze Gefühl an Bord? Schau doch auch gerne mal in meiner Kategorie Zugreisen vorbei für weitere spannende Reisen.
Und genau deshalb war der türkische ICE für mich so spannend.
Der Velaro TR ist im Prinzip ein Verwandter des deutschen ICE 3 – also schon mal ein Zug, bei dem man als deutscher Bahn-Nerd (oder einfach als Bahnreisender) sofort ein Gefühl von Vertrautheit hat. Gleichzeitig ist er aber in ein komplett anderes System eingebettet: anderer Ablauf am Bahnhof, andere Kultur beim Reisen, andere Preisstruktur, andere Prioritäten.
Genau solche Kombinationen sind meistens am spannendsten. Weil du dann merkst: Das Fahrzeug ist vielleicht ähnlich – aber das Reiseerlebnis kann komplett anders sein.
Und ich sag’s direkt: Genau das ist hier passiert.

Guten Morgen Istanbul: Warum ich plötzlich viel zu früh am Bahnhof war
Der Tag fing schon mal mit einem kleinen Reise-Glücksmoment an: Ich war über eine Stunde zu früh am Bahnhof. Warum? Weil der Transfer vom Nachtbus zum Bahnhof deutlich besser geklappt hat als gedacht.
Das ist ja oft andersrum. Normalerweise plant man knapp, irgendwas läuft schief, und am Ende rennt man mit Kamera, Rucksack und schlechter Laune über den Bahnsteig. Diesmal nicht.
Ich komme also an, schaue mich um – und sehe: Der Zug steht schon da.
Und in dem Moment ging’s bei mir direkt los mit diesem typischen Vlog-Modus:
„Äh… okay, steht der wirklich schon da? Sind die Türen offen? Darf ich da überhaupt schon rein?“
Denn was direkt auffällt (und für deutsche Bahnfahrer erstmal ungewohnt ist): Am Bahnhof gibt es Sicherheitskontrollen. Also nicht einfach nur Ticket scannen und entspannt zum Bahnsteig schlendern, sondern mit Kontrolle, Metalldetektor und Gepäckscan – zumindest grundsätzlich.
Das Lustige an dem Morgen war aber: Ich konnte trotzdem irgendwie schon aufs Gleis laufen. Also ja, theoretisch Sicherheitskonzept – praktisch an dem Punkt erstmal: „Okay… ich bin jetzt einfach da.“
Ich wollte ursprünglich nur einen früheren Zug filmen, sehe dann aber meinen Zug schon vorbereitet und beschriftet: Zug 81032 nach Ankara. Auf meinem Ticket stand die Zugnummer nicht drauf, deshalb war das erstmal ein kleiner Abgleich im Kopf: „Das müsste meiner sein…“
Und dann kam der erste kleine Running Gag des Tages: Es gibt dort zwei Abstiege / zwei Treppen, bei einer wurden Koffer kontrolliert, bei der anderen…
nix.
Also wirklich: auf der einen Seite Kontrolle, auf der anderen Seite einfach durch.
In so Momenten denkst du dir als Content Creator nur: „Okay, das erzähle ich später im Video. Das glaubt mir sonst keiner.“ Nicht nur ich scheine noch mental geschlafen zu haben an dem Morgen.
Business Class im türkischen ICE: Erster Eindruck wie im ICE 3 – und dann kommt die Überraschung
Ich war auf der ersten Fahrt in der Business Class unterwegs. Und ich sag’s mal so: Der erste Eindruck war wirklich sehr vertraut.
Wenn du die türkischen Logos auf den Polstern kurz ausblendest, denkst du in den ersten Sekunden fast: „Ja okay, ICE-Gefühl.“
- gute Polster
- ausklappbarer Tisch
- ordentliche Beinfreiheit
- vertraute Sitzanordnung
- insgesamt ein ziemlich aufgeräumter Eindruck

Also erstmal nichts, was dich komplett aus den Schuhen haut. Aber genau das ist ja auch interessant: Der Velaro TR vermittelt direkt dieses „bekannte Hochgeschwindigkeitszug“-Gefühl.
Und dann kommt das Detail, das ich wirklich nicht erwartet hatte:
Das Armlehnen-Feature: Entertainment-Bildschirm direkt im Sitz
In der Armlehne steckt ein kleiner Entertainment-Bildschirm. Und zwar nicht einfach nur irgendein Mini-Display, sondern ein System, das fast wie eine Android-basierte Oberfläche wirkt – mit:
- Internetzugang
- Fahrinformationen
- News
- Filmen
Und davon gab es tatsächlich eine ganze Menge.
Das ist so ein typischer Moment, bei dem ich sofort denke:
„Warum gibt’s das nicht überall?“
Gerade wenn man viel mit der Bahn unterwegs ist, kennt man ja die Entwicklung in Deutschland: eher Richtung Handy-/Tablet-Nutzung, WLAN (wenn’s funktioniert), Steckdose, vielleicht noch ein Halter. Der türkische ICE (Velaro TR) geht hier einen anderen Weg und integriert ein sichtbares Entertainment-Element direkt im Sitz.
Ob das im Alltag wirklich genutzt wird? Dazu gleich noch mehr – denn genau diese Frage hat mich durch die ganze Fahrt begleitet.

Mehr Beinfreiheit als bei der DB? Mein Eindruck aus der Business Class
Ein Punkt, der mir relativ schnell aufgefallen ist: Die Beinfreiheit fühlte sich für mich in der Business Class wirklich großzügig an.
Und das ist nicht nur so ein „Ja, bisschen angenehmer“-Unterschied, sondern eher ein echter Komfortpunkt. Dazu kommt: Steckdosen sind da, und als jemand, der unterwegs ständig Geräte laden muss (Kamera, Handy, Powerbank, Mikrozeug…), ist das natürlich Gold wert.
Ich hatte wirklich so einen typischen Vlog-Moment im Zug:
„Und da: Steckdose. Da, Steckdose.“
Klingt banal, aber jeder, der unterwegs produziert, weiß: Strom ist Liebe.
WLAN im Velaro TR: Mein persönlicher Flixbus-Fluch schlägt wieder zu
Dann kam der Moment, den wahrscheinlich viele kennen – egal ob Zug, Fernbus oder Flughafen-WLAN: Man denkt sich „Perfekt, ich nutze die Zeit schnell produktiv“ … und dann klappt genau das nicht.
Der Zug füllte sich langsam, ich wollte noch kurz Mails checken – und dann:
WLAN da, aber funktioniert nicht.
Und ich hatte sofort dieses innere „Natürlich. Warum sollte Internet auch jemals einfach mal funktionieren bei mir?“-Gefühl. Mein persönlicher Flixbus-Fluch hat sich offenbar internationalisiert.
Fairerweise muss man sagen: Das ist jetzt nicht exklusiv ein Problem im türkischen Bahnverkehr. Auch bei der Deutschen Bahn kennt man Momente, in denen WLAN eher ein Konzept als eine echte Verbindung ist.
Aber klar: In einem Hochgeschwindigkeitszug erwartest du erstmal, dass es läuft.
Zum Glück war das in meinem Fall kein großes Drama, weil ich mit eSIM und Hotspot arbeiten konnte. Trotzdem bleibt der Punkt hängen – gerade wenn man den türkischen ICE im Vergleich zum deutschen ICE bewertet.
Istanbul ist riesig: Eine Zugstunde nur durch die Stadt
Wir rollen pünktlich los, und dann passiert etwas, das mir wieder gezeigt hat, wie absurd groß Istanbul eigentlich ist:
Die erste volle Stunde der Fahrt geht gefühlt einfach nur durch Istanbul.
Wenn man die Stadt nur aus klassischen Touri-Perspektiven kennt, unterschätzt man das total. Aber aus dem Zugfenster wird es nochmal anders greifbar. Diese Dimensionen, Vororte, Gleisanlagen, Übergänge – da merkst du wirklich, dass du nicht einfach „in einer Stadt“ unterwegs bist, sondern in einer gigantischen Metropole.
Und genau das ist auch einer dieser unterschätzten Faktoren bei Zugvideos: Die eigentliche Strecke beginnt manchmal gefühlt erst, wenn du die Metropolregion verlassen hast.
Was ist der türkische ICE überhaupt? (Velaro TR / YHT einfach erklärt)
Bevor wir tiefer ins Reiseerlebnis gehen, kurz der Kontext – weil viele bei „türkischer ICE“ erstmal nur an einen Vergleich denken.
Velaro TR: die türkische Version der Siemens-Velaro-Plattform
Der Velaro TR gehört zur Siemens Velaro-Familie, zu der auch der deutsche ICE 3 zählt. Die Türkei ist relativ spät in diese Velaro-Welt eingestiegen, hat aber damit einen modernen Hochgeschwindigkeitszug im Einsatz, der technisch definitiv oben mitspielt.
Wichtige Eckdaten (kurz und verständlich):
- Bestellung der Züge: 2013
- Fahrgastbetrieb gestartet: 2015
- Einsatz im türkischen Hochgeschwindigkeitsverkehr (YHT)
- Insgesamt nutzt die Türkei 19 Velaro-Züge
- gebaut bei Siemens (u. a. öffentlich oft mit Krefeld verbunden)
YHT Türkei: modern, aber die Infrastruktur entscheidet mit
Technisch kann der Velaro TR 300 km/h fahren. Das ist ein Wert, der sich nicht verstecken muss.
In der Praxis ist aber – wie so oft – nicht nur der Zug entscheidend, sondern die Infrastruktur. Auf wichtigen Korridoren wie Ankara–Istanbul sind typischerweise bis zu 250 km/h drin, aber eben nicht durchgehend überall.
Und das ist ein Punkt, den viele bei Zugvergleichen vergessen: Ein moderner Zug auf einer Infrastruktur mit Engstellen fühlt sich schnell anders an als das Datenblatt vermuten lässt.
Das gilt übrigens nicht nur für die Türkei. Ich habe im Video auch den Acela aus den USA erwähnt – ein gutes Beispiel dafür, wie moderne Technik und ältere Infrastruktur manchmal nicht ganz harmonisch zusammenpassen.

Mein Lieblingsmoment: Mit dem türkischen ICE von Europa nach Asien durch den Marmaray-Tunnel
Jetzt kommt der Teil, bei dem ich wirklich kurz innehalten musste.
Istanbul ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an denen du im Alltag mit dem Zug einfach mal den Kontinent wechselst. Und zwar nicht als theoretische Info auf einer Landkarte, sondern ganz real im Reisegefühl.
Der Velaro TR fährt hier durch den Marmaray-Tunnel unter dem Bosporus.
Und das ist nicht nur irgendein Tunnel, sondern ein echter Reise-Moment.
Warum der Marmaray-Moment so besonders ist
- Gesamtstrecke des Marmaray-Tunnels: rund 13,5 km
- davon etwa 1,4 km direkt unter Wasser
- eröffnet 2013
- gilt als besonders tief gelegener Absenktunnel seiner Art (ca. 60 m unter dem Meeresspiegel)
Wenn du das nur liest, klingt es erstmal wie ein Technik-Fact.
Wenn du aber im Zug sitzt und weißt: „Ich fahre gerade von Europa nach Asien“, dann ist das emotional plötzlich eine ganz andere Liga.
Ich kenne natürlich den Vergleich zum Eurostar und dem Channel Tunnel – der ist länger, spektakulär in der reinen Tunnelstatistik und ein Klassiker. Aber Marmaray hat etwas, das ich fast noch verrückter finde: dieses Mitten-in-der-Stadt-Gefühl.
Nicht „Langstrecke durch einen Unterseetunnel“, sondern:
Du bist in Istanbul unterwegs und wechselst quasi nebenbei den Kontinent.
Und ja – das war für mich in dem Moment das erste Mal in Asien.
Allein dafür hat sich der Trip schon gelohnt.
Bordservice im türkischen ICE: Frühstück inklusive (und ja, ich war überrascht)
Nachdem wir Istanbul hinter uns gelassen hatten, kamen zwei Mitarbeiterinnen der türkischen Bahn durch den Wagen und verteilten kleine Boxen.
Ich dachte erst: „Okay, mal schauen, was das ist.“
Dann mache ich das Ding auf und drin sind:
- zwei Sandwiches
- ein Stück Kuchen
- Wasser
- Saft
Und das alles im Ticketpreis enthalten.
Das ist so ein Moment, wo man als deutscher Bahnfahrer automatisch den inneren Vergleich startet. Nicht mal böse, eher reflexartig. Und mein erster Gedanke war wirklich:
„Das ist schon mal nicht gerade Deutsche Bahn, oder?“
Natürlich muss man bei solchen Vergleichen immer aufpassen, weil Preisstruktur, Markt, Kaufkraft, Subventionen und Streckenmodelle komplett unterschiedlich sind. Aber aus Sicht des Reisenden zählt in dem Moment erstmal:
Was bekomme ich für mein Ticket?
Und da hat der türkische ICE (Velaro TR) auf dieser Fahrt einfach einen sehr starken Eindruck hinterlassen.
Der Preis-Moment: Warum ich dachte, das kann nicht stimmen
Ich verrate hier bewusst nicht denselben Spannungsbogen wie im Thumbnail/Titel komplett vorweg (im Video wirkt es natürlich noch besser), aber nur so viel:
Ich habe vor dem Reveal selbst nochmal im Kopf überschlagen, was so eine Fahrt in Deutschland in einer vergleichbaren Situation ungefähr kosten würde:
- kurzfristig gebucht
- Klasse / Business-ähnliches Niveau
- Reservierung
- zwei Stunden Hochgeschwindigkeitszug
- plus Verpflegung im Paket
Und dann kam dieser Preis, bei dem ich wirklich kurz dachte:
„Das ist absurd.“
Genau deshalb passt der Begriff Preis-Leistungs-Verhältnis hier so gut. Nicht, weil irgendwas luxuriös übertrieben wäre, sondern weil das Gesamtpaket aus Fahrt, Komfort und Bordservice in meinem Fall einfach extrem stark war.
Falls du den exakten Preis sehen willst: Im YouTube-Video auf meinem Kanal kommt der Reveal natürlich genauso drin vor wie im Zugmoment selbst – und der wirkt on camera nochmal ganz anders.
Ein ungewohntes Buchungsdetail im türkischen ICE: Geschlechterangabe & Sitzplatzanzeige
Ein Punkt, den ich im Video bewusst ruhig und sachlich einordne, ist ein Buchungsdetail, das für viele deutsche Zuschauer erstmal ungewohnt wirkt.
Bei der Buchung musste ich angeben, ob ich männlich oder weiblich bin. Außerdem sieht man in der Sitzplatzauswahl, wer neben einem sitzt.
Das sorgt natürlich erstmal für Reaktionen, weil sowas im deutschen Bahnkontext ungewöhnlich ist. Wichtig ist aber: Das ist nicht einfach nur ein „Skandal-Fact“ zum Ausschlachten, sondern etwas, das man einordnen muss.
Mein Eindruck war hier eher:
- gelebte Reisekultur
- Fokus auf Komfort / Sicherheitsgefühl
- besonders relevant für Alleinreisende
Genau solche Punkte finde ich bei internationalen Bahnreisen spannend. Nicht direkt bewerten mit „besser/schlechter“, sondern erstmal verstehen:
Warum ist das hier so gelöst?
Und dann kann man sich eine Meinung bilden.
Landschaft, Meerblick, Berge: Warum ich solche Trips überhaupt mache
Zwischen all den Technik-Facts, Zugvergleichen, Borddetails und kleinen Pannen gibt es dann diese Momente, die sich schwer in Tabellen oder Reviews packen lassen:
Meerblick, schneebedeckte Berge, wechselnde Landschaft – und einfach dieses Gefühl, unterwegs zu sein.
Das klingt vielleicht kitschig, ist aber genau der Grund, warum ich solche Reisen und Videos überhaupt mache. Nicht nur um zu sagen „Sitzbreite X, WLAN so und so“, sondern weil Zugreisen dir Orte und Übergänge auf eine Weise zeigen, die du im Flugzeug oder Auto oft nicht so erlebst.
Und die Türkei hat mich auf dieser Strecke landschaftlich wirklich positiv überrascht.

Teil 2: Economy-Test im türkischen ICE – und diesmal wird’s „deutscher“
Nach der Ankunft in Izmit ging es für mich später wieder zurück Richtung Istanbul – diesmal in der Economy Class. Und genau dieser zweite Teil war wichtig, weil ein Zug im leeren Business-Class-Setup natürlich anders wirkt als im volleren Alltagsbetrieb.
Sicherheitskontrolle diesmal in voller Ausführung
Beim zweiten Trip hatte ich nicht mehr dieses „Ich bin irgendwie schon am Gleis“-Glück. Diesmal lief das Prozedere so, wie man es eher erwarten würde:
- Metalldetektor
- Gepäckröntgen
- Ticketscan in der Halle
- dann erst zum Bahnsteig
An einem Donnerstagmittag war das noch okay. Nicht angenehm im Sinne von „hach, wie schön“, aber auch kein kompletter Zusammenbruch. Trotzdem war mein Gedanke sofort:
Zur Rush Hour kann das nerven.
Und genau da liegt auch mein größter Kritikpunkt am System (dazu im Fazit mehr): Für hochfrequenten, dicht getakteten Verkehr kann so ein Boarding-Prozess schnell zum Flaschenhals werden.
Preis in der Economy: Auch hier wieder erstaunlich günstig
Der zweite Trip von Izmit nach Istanbul Pendik hat mich 6,50 € gekostet.
Und auch hier wieder dieser Vergleich im Kopf:
Ich habe in meinem Leben schon mehr für eine U-Bahnfahrt bezahlt.
Das heißt nicht automatisch, dass alles perfekt ist. Aber es zeigt, warum der türkische ICE (bzw. das YHT-System im Gesamteindruck) für viele Reisende so interessant ist: Die Einstiegshürde ist niedrig, und man bekommt trotzdem ein modernes Zugerlebnis.
Clever gelöst: Wagenstandsanzeiger mit Pylonen am Bahnsteig
Ein Detail, das im großen Vergleich oft untergeht, mir aber richtig positiv aufgefallen ist, war die Lösung am Bahnsteig mit den Wagenstandsanzeigern.
An moderneren Bahnhöfen gibt’s das digital und dynamisch. An dem Bahnhof, an dem ich unterwegs war, gab es wegen Bauarbeiten eine improvisierte, aber clevere Lösung:
Pylonen mit Wagennummern.
Klingt simpel – ist aber praktisch. Du siehst direkt, wo du hinmusst, ohne großes Rätselraten. Und gerade wenn du Gepäck hast oder einen vollen Bahnsteig, ist sowas Gold wert.
Da habe ich wirklich gedacht:
Das könnte man in Deutschland an manchen Stellen auch pragmatischer lösen, statt alles nur als „geht grad nicht wegen Baustelle“ zu akzeptieren.
Economy im Vergleich zum deutschen ICE: Vertraut, aber mit eigenem Charakter
Als der Velaro einrollte, war er diesmal deutlich voller. Ich hatte leider keinen direkten Fensterplatz mit Meerblick, aber für den Real-Life-Test war das eigentlich sogar gut.
Denn jetzt sieht man eher, wie sich der türkische ICE im normalen Betrieb anfühlt.
Mein Eindruck zur Economy war ziemlich klar:
Economy im Velaro TR = absolut vergleichbar mit der 2. Klasse deutscher ICEs
Das meine ich nicht als Ausweichformulierung, sondern wirklich als ehrliche Einordnung. Sitzgefühl, Grundkomfort, allgemeiner Eindruck – das ist alles auf einem Niveau, bei dem man als deutscher Fahrgast nicht das Gefühl hat, in einem komplett anderen Universum gelandet zu sein.
Was ich zusätzlich mochte: Die Ansagen gab es auf Türkisch und Englisch. Und ein kleines Detail fand ich einfach sympathisch:
„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder.“
Das ist so eine Kleinigkeit, aber genau solche Dinge machen den Charakter einer Zugfahrt aus.
Und dann kam doch noch der Deutschland-Moment: Verspätung und Kriechgeschwindigkeit
Natürlich wäre es fast zu schön gewesen, wenn jetzt alles komplett perfekt weiterläuft.
Am Ende kam noch ein sehr vertrauter Moment: Verspätung.
Wir erreichten Istanbul Pendik mit rund 25 Minuten Verspätung, nachdem wir längere Abschnitte mit Kriechgeschwindigkeit unterwegs waren. Und in dem Moment dachte ich mir nur:
„Okay, jetzt fühlt es sich wieder sehr deutsch an.“
Das ist auch wichtig zu sagen, weil ein ehrlicher Test nicht nur aus positiven Überraschungen bestehen sollte. Der türkische ICE hat mich in vielen Punkten beeindruckt, aber natürlich ist auch dort nicht jede Fahrt automatisch ein Werbespot.

Mein ehrliches Fazit zum türkischen ICE (Velaro TR): Was besser ist – und was nicht
Nach dem Trip saß ich später im Hotel in Istanbul/Pendik (ja, inklusive kleinem Ortsnamen-Versprecher 😄) und habe das Ganze Revue passieren lassen.
Und wenn ich es auf den Punkt bringen müsste, dann wäre mein Fazit ungefähr so:
Was mir am türkischen ICE / YHT besonders gut gefallen hat
1) Preis-Leistung
Das ist der offensichtlichste Punkt. Gerade auf meiner Business-Class-Fahrt war das Paket aus Komfort + Service + Preis einfach extrem stark.
2) Komfort und modernes Zuggefühl
Der Velaro TR fühlt sich modern an, vertraut, angenehm. Kein „Exoten-Zug“, bei dem alles irgendwie improvisiert wirkt, sondern ein ernstzunehmender Hochgeschwindigkeitszug.
3) Bordservice
Die Frühstücksbox war ein echter Pluspunkt – nicht nur wegen des Essens selbst, sondern weil sie das Gesamterlebnis aufwertet.
4) Spannende Details im Innenraum
Das Armlehnen-Entertainment ist ein cooles Feature und zeigt, dass hier andere Designentscheidungen getroffen wurden als zum Beispiel in Deutschland.
5) Marmaray / Europa-Asien-Moment
Das ist kein klassischer Komfortpunkt, aber als Reiseerlebnis einfach ein Highlight.
Was mich am türkischen ICE / YHT eher genervt hat
1) Boarding / Sicherheitskontrolle
Das ist mein größter Kritikpunkt. Ich verstehe den Gedanken dahinter, aber es kostet Zeit, bringt Reibung rein und kann bei hoher Auslastung schnell nerven.
2) WLAN-Zuverlässigkeit (zumindest auf meiner Fahrt)
WLAN war da, hat aber nicht funktioniert. Kein Weltuntergang, aber eben ein Minuspunkt.
3) Infrastrukturbedingte Langsamfahrten / Verspätungen
Wie überall gilt: Nicht nur der Zug zählt. Auf dem Papier moderne Technik, im Betrieb dann aber trotzdem Einschränkungen.
Wird das Entertainment-System wirklich genutzt? Mein Eindruck nach der Fahrt
Das war ja einer meiner großen Open Loops im Video – und ich habe extra drauf geachtet.
Mein Eindruck nach der Fahrt: Eher wenig.
Das bedeutet nicht, dass es sinnlos ist. Aber ich habe während meiner Rundgänge durch den Wagen kaum jemanden gesehen, der das System aktiv genutzt hat – selbst als der Wagen später ziemlich voll war.
Deshalb mein Zwischenfazit dazu:
- cooles Feature
- nice to have
- aber möglicherweise nicht der wichtigste Alltagspunkt für die meisten Fahrgäste
Da verstehe ich dann auch den Ansatz der Deutschen Bahn beim ICE 3neo mit Halterungen für eigene Geräte. Viele Leute wollen eh ihr eigenes Smartphone oder Tablet nutzen.
Trotzdem: Für einen ersten Eindruck ist dieses Armlehnen-Feature ein echter Hingucker.
Warum sich der Vergleich „türkischer ICE vs. deutscher ICE“ lohnt – aber nur mit Kontext
Ich weiß, dass solche Vergleiche schnell emotional werden. Gerade bei Bahn-Themen. Aber ich finde den Vergleich trotzdem spannend, wenn man ihn fair macht.
Nicht im Sinne von:
- „Alles dort ist besser“
- oder „Deutschland kann gar nichts“
Sondern eher so:
- Wo sind die Stärken des Systems?
- Wo sind kulturelle Unterschiede?
- Welche Dinge sind infrastrukturbedingt?
- Was ist wirklich ein Produkt-/Serviceunterschied?
Und genau da war diese Reise für mich richtig wertvoll. Der türkische ICE (Velaro TR) ist nicht einfach nur eine Kopie des deutschen ICE 3, sondern Teil eines anderen Gesamtsystems – mit eigenen Vorteilen, eigenen Schwächen und ein paar wirklich überraschenden Momenten.
YouTube-Hinweis: Das komplette Erlebnis auf meinem Kanal anschauen
Wenn du bis hier gelesen hast und jetzt Lust auf die komplette Fahrt bekommen hast:
Schau dir unbedingt das YouTube-Video zum türkischen ICE (Velaro TR) auf meinem YouTube-Kanal an.
Dort siehst du:
- den Zug von außen
- den Innenraum und das Entertainment-System
- den Marmaray-Moment
- die Frühstücksbox
- Business vs. Economy
- und natürlich den kompletten Reiseeindruck mit allen Reaktionen in Echtzeit
Gerade bei Zugvideos macht der visuelle Eindruck extrem viel aus – deshalb ergänzt das Video diesen Blogartikel perfekt.
FAQ zum türkischen ICE (Velaro TR / YHT)
Was ist der „türkische ICE“ genau?
Mit „türkischer ICE“ ist meist der Velaro TR gemeint – ein Hochgeschwindigkeitszug auf Basis der Siemens-Velaro-Plattform, zu der auch der deutsche ICE 3 gehört. In der Türkei wird er im YHT-Hochgeschwindigkeitsverkehr eingesetzt.
Ist der türkische ICE wirklich mit dem ICE 3 vergleichbar?
Ja, in vielen Punkten schon. Vor allem beim generellen Zuggefühl, Komforteindruck und der technischen Plattform gibt es klare Parallelen. Das Reiseerlebnis unterscheidet sich aber durch Infrastruktur, Boarding-Prozess und Service.
Wie schnell fährt der Velaro TR?
Der Velaro TR kann technisch bis zu 300 km/h fahren. Im Betrieb hängt die tatsächliche Geschwindigkeit – wie bei vielen Hochgeschwindigkeitszügen – stark von der Strecke und der Infrastruktur ab.
Gibt es im türkischen ICE Business Class und Economy?
Ja, auf meiner Fahrt habe ich sowohl die Business Class als auch die Economy Class getestet. Die Business Class wirkte komfortabel und bot in meinem Fall ein sehr starkes Gesamtpaket. Die Economy war im Eindruck gut mit der 2. Klasse deutscher ICEs vergleichbar.
Gibt es im türkischen ICE Bordservice?
Auf meiner Business-Class-Fahrt gab es eine Frühstücksbox mit Sandwiches, Kuchen, Wasser und Saft. Das war im Ticketpreis enthalten und hat mich positiv überrascht.
Funktioniert das WLAN im türkischen ICE zuverlässig?
Auf meiner Fahrt war WLAN zwar vorhanden, hat aber nicht funktioniert. Das ist natürlich nur ein Einzelfallbericht meiner Reise, aber in meinem Test war das ein Kritikpunkt. Mit eSIM/Hotspot konnte ich mich behelfen.
Was ist das Besondere am Marmaray-Tunnel?
Der Marmaray-Tunnel verbindet in Istanbul Europa und Asien unter dem Bosporus. Das Besondere ist nicht nur die Technik, sondern das Reisegefühl: Du kannst im Alltagsverkehr mit dem Zug innerhalb weniger Minuten den Kontinent wechseln.
Ist der türkische ICE pünktlich?
Das hängt wie überall von Strecke und Betrieb ab. Ich hatte auf einer Fahrt einen sehr guten Eindruck, auf der Rückfahrt nach Istanbul Pendik aber auch rund 25 Minuten Verspätung durch längere Langsamfahrten.
Lohnt sich eine Zugfahrt mit dem türkischen ICE als Reisender?
Aus meiner Sicht: Ja, absolut – besonders wenn du dich für Bahnreisen, Hochgeschwindigkeitszüge oder ungewöhnliche Reiseerlebnisse interessierst. Der Mix aus modernem Zug, Istanbul-Route, Marmaray und Preis-Leistung ist ziemlich einzigartig.