Ein Nachtzug, der bis fast an die ukrainische Grenze fährt, ein privates Abteil für 111 Euro und eine Verbindung, die ursprünglich im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine eingerichtet wurde: Meine RegioJet Nachtzug Erfahrungen waren schon vor der Abfahrt alles andere als gewöhnlich. Die Reise führte mich von Prag einmal quer durch Tschechien und weiter durch Polen bis in Richtung Przemyśl.
Überblick
Auf dem Papier klang die Fahrt zunächst ziemlich attraktiv. Abfahrt in Prag war um 21:48 Uhr, die geplante Ankunft in Przemyśl bereits um 6:25 Uhr. Damit sollte die Fahrt nur rund acht Stunden und 37 Minuten dauern. Für einen Nachtzug ist das vergleichsweise kurz, bietet aber theoretisch genügend Zeit, um einige Stunden zu schlafen und am frühen Morgen direkt an der polnisch-ukrainischen Grenze anzukommen.
Das komplette Video mit der Anreise zum Prager Hauptbahnhof, der Roomtour durch das Abteil, der Nacht im Zug und dem überraschenden Ende der Reise findet ihr hier: RegioJet Nachtzug von Prag nach Przemyśl im Video.
In diesem ausführlichen Erfahrungsbericht zeige ich euch, was ihr im RegioJet Sleeper erwarten könnt, wie komfortabel das private Abteil wirklich ist, welche Leistungen im Ticket enthalten waren und warum ich den Zug am Ende sogar vorzeitig verlassen musste.
RegioJet Nachtzug Test: Die Verbindung von Prag nach Przemyśl
Meine Reise begann am Prager Hauptbahnhof. Ziel war Przemyśl im Südosten Polens, nur wenige Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Die Strecke ist ungefähr 745 Kilometer lang und führt zunächst durch Tschechien, anschließend durch Polen und unter anderem über Krakau weiter in Richtung Osten.
Die Verbindung hat eine besondere Geschichte. RegioJet setzte den Zug nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine zunächst als Evakuierungszug ein. Er sollte Menschen aus dem Grenzgebiet weiter nach Tschechien bringen und gleichzeitig eine wichtige Verbindung in Richtung Ukraine schaffen.
Weil die Nachfrage nach dieser Verbindung weiterhin besteht, wurde der Nachtzug nicht direkt wieder eingestellt. Er fährt weiterhin zwischen Prag und Przemyśl und wird inzwischen sowohl von Reisenden in Richtung Ukraine als auch von normalen Bahnreisenden genutzt.
Das macht diesen Zug ungewöhnlich. Er ist kein klassischer touristischer Nachtzug wie eine Verbindung nach Venedig, Wien oder Kroatien. Viele Fahrgäste nutzen ihn aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einige reisen nach Polen, andere fahren weiter in die Ukraine oder kommen von dort.
Für mich war die Strecke auch deshalb interessant, weil sie deutlich weniger bekannt ist als viele andere europäische Nachtzugverbindungen. RegioJet ist zwar inzwischen einer der größten privaten Bahnbetreiber Mitteleuropas, aber gerade in Deutschland kennen viele Reisende vor allem die gelben Fernzüge und Busse des Unternehmens.
Anreise zum Hauptbahnhof Prag
Bevor die eigentliche Nachtzugfahrt beginnen konnte, musste ich zunächst zum Prager Hauptbahnhof gelangen. Google Maps schickte mich dabei über einen eher ungewöhnlichen Weg, der teilweise über eine ehemalige Bahntrasse beziehungsweise einen höher gelegenen Fußweg führte.
Am Bahnhof angekommen, hatte ich noch fast eine Stunde Zeit. Ein Problem war allerdings, dass zunächst kein Gleis beziehungsweise kein konkreter Bahnsteig für den RegioJet Nachtzug angezeigt wurde.
Das ist an vielen großen Bahnhöfen außerhalb Deutschlands nicht ungewöhnlich. In Ländern wie Tschechien, Italien oder Frankreich wird das Abfahrtsgleis häufig erst relativ kurz vor der Abfahrt bekannt gegeben. Wer den Zug frühzeitig filmen, das richtige Wagenende finden oder mit viel Gepäck möglichst entspannt einsteigen möchte, muss deshalb zunächst an der Anzeigetafel warten.
Ungefähr 15 Minuten vor Abfahrt wurde schließlich Bahnsteig Nummer 4 angezeigt. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein Bahnsteig mehrere Gleise haben kann. Genau das sorgte an diesem Abend noch für etwas Verwirrung.
Fast in den falschen RegioJet eingestiegen
Kurz vor der Abfahrt fuhr ein gelber RegioJet am Bahnsteig ein. Der Bahnsteig war extrem voll, überall standen Menschen mit Gepäck und es herrschte ein ziemliches Durcheinander.
Zunächst dachte ich, dass es sich bereits um meinen Nachtzug nach Przemyśl handeln würde. Erst beim Blick auf die Wagennummern wurde klar, dass die Nummerierung überhaupt nicht zu den Informationen aus meiner Buchung passte.
RegioJet informiert seine Fahrgäste per E-Mail, wenn sich die Wagenreihung ändert. In meinem Fall hatte ich bereits eine Nachricht erhalten, in welcher Reihenfolge die Wagen hinter der Lok stehen sollten. Mein Abteil befand sich in Wagen 5, der tatsächlich an vierter Position im Zug eingereiht war.
Der zuerst eingefahrene RegioJet hatte jedoch vollkommen andere Wagennummern. Erst dadurch fiel mir auf, dass ich fast in den falschen Zug eingestiegen wäre. Wenige Minuten später kam dann mein eigentlicher Nachtzug auf dem anderen Gleis desselben Bahnsteigs an.
Zwei RegioJet-Züge gleichzeitig, ein voller Bahnsteig und kurzfristig angezeigte Gleise sind nicht unbedingt die entspannteste Kombination. Wer diese Verbindung nutzt, sollte deshalb unbedingt auf die Zugnummer, das Ziel auf den Zuglaufschildern und die Wagennummer achten.
Nachtzug Prag–Przemyśl: Abfahrt um 21:48 Uhr
Mein RegioJet Nachtzug verließ Prag planmäßig um 21:48 Uhr. Eine der ersten positiven Überraschungen waren die Fenster. Anders als in vielen modernen Nachtzügen lassen sich die Fenster in diesen älteren Wagen noch öffnen.
Für mich gehört das zu einer klassischen Nachtzugfahrt einfach dazu. Man kann frische Luft hereinlassen, die Geräusche des Bahnhofs hören und beim Einschlafen die Lichter draußen vorbeiziehen sehen.
Natürlich haben zu öffnende Fenster auch Nachteile. Die Wagen sind häufig schlechter schallisoliert und die Außengeräusche sind deutlicher zu hören. Genau das sollte während dieser Reise später noch zu einem erheblichen Problem werden.
Kurz nach der Abfahrt gab es mehrere Durchsagen. Diese wurden offenbar auf Tschechisch, Polnisch und Ukrainisch gemacht. Eine englische Ansage konnte ich jedoch nicht verstehen. Für internationale Fahrgäste, die keine dieser Sprachen sprechen, ist das nicht optimal.
Gerade bei wichtigen Informationen zu Verspätungen, Grenzkontrollen, Rauchen, Alkohol oder Änderungen im Fahrtverlauf wäre eine englische Ansage hilfreich.
Begrüßungsgeschenk und Wasser im RegioJet Sleeper
Kurz nach der Abfahrt erhielt ich vom Zugbegleiter ein kleines Begrüßungsgeschenk. Zusätzlich stand eine Flasche Wasser bereit.
Solche kleinen Details gehören zu den Stärken von RegioJet. Das Unternehmen versucht, sich beim Service von klassischen Staatsbahnen abzuheben. In vielen RegioJet-Zügen gibt es reservierte Sitzplätze, Service am Platz und teilweise sehr günstige Getränke oder Snacks.
Auch im Nachtzug sorgten das Wasser und das kleine Geschenk direkt für einen guten ersten Eindruck. Der Service wirkte persönlicher, als ich es aus manchen anderen Nachtzügen kenne.
Wie umfangreich die enthaltenen Leistungen sind, hängt allerdings von der gebuchten Kategorie und möglicherweise auch von der jeweiligen Verbindung ab. In meinem Ticket waren neben dem privaten Abteil auch Bettzeug, Wasser und am Morgen ein kleines Frühstück enthalten.
RegioJet Sleeper Erfahrungen: Roomtour durch das private Abteil
Mein Abteil wurde von RegioJet als Sleeper verkauft. Wer dabei einen modernen Schlafwagen mit eigenem Bad, Dusche und fest eingebauten Betten erwartet, könnte allerdings überrascht sein.
Bei dem Wagen handelte es sich im Grunde um einen klassischen älteren Liegewagen. Solche Wagen wurden früher unter anderem von der Deutschen Bahn oder den österreichischen ÖBB eingesetzt und später von RegioJet übernommen.
Das Abteil konnte theoretisch von mehreren Reisenden genutzt werden. Es waren mehrere Liegen vorhanden, die tagsüber beziehungsweise vor dem Schlafengehen hoch- oder heruntergeklappt werden können.
Da ich das Abteil allein gebucht hatte, konnte ich den gesamten Raum für mich nutzen. Das ist natürlich deutlich komfortabler als eine Fahrt mit vier oder sechs fremden Personen in einem klassischen Liegewagenabteil.
Zur Ausstattung gehörten eine kleine Lampe, Ablagen, ein Netz für persönliche Gegenstände, ein Spiegel, ein kleiner Tisch, ein Mülleimer und Steckdosen.
Das Netz neben der Liege ist besonders praktisch, wenn man nachts eine Brille, ein Smartphone oder andere kleine Gegenstände sicher aufbewahren möchte. So liegen sie nicht lose im Bett und fallen bei einer unruhigen Fahrt nicht auf den Boden.
Der Spiegel ist ebenfalls sinnvoll. Einerseits kann man sich am Morgen kurz zurechtmachen, andererseits lässt er das relativ kompakte Abteil optisch etwas größer wirken.

RegioJet Schlafwagen oder klassischer Liegewagen?
Die Bezeichnung Sleeper klingt zunächst nach einem richtigen Schlafwagen. Technisch und vom Aufbau her ist das Abteil aber eher ein Liegewagen.
Der wichtigste Unterschied zwischen Schlafwagen und Liegewagen liegt normalerweise im Komfort. In einem klassischen Schlafwagen gibt es weniger Betten pro Abteil, häufig ein Waschbecken und teilweise sogar eine eigene Toilette oder Dusche. Außerdem ist das Bett in vielen Schlafwagen bei der Abfahrt bereits fertig bezogen.
Im Liegewagen müssen die Fahrgäste ihre Betten häufig selbst vorbereiten. Außerdem können sich je nach Kategorie vier oder sechs Personen ein Abteil teilen.
Bei RegioJet liegt das Angebot irgendwo dazwischen. Der Wagen selbst ist ein Liegewagen, die Ausstattung wirkte aber teilweise deutlich hochwertiger.
Ich bekam ein richtiges Kissen und eine vergleichsweise ordentliche Decke. In vielen klassischen Liegewagen besteht die Ausstattung nur aus einem sehr flachen Kissen, einem dünnen Laken und einer einfachen Wolldecke.
Dadurch entstand tatsächlich eine Art Hybrid aus Liegewagen und Schlafwagen. Das Abteil war technisch kein moderner Schlafwagen, bot durch die private Nutzung und das bessere Bettzeug aber dennoch ein recht hohes Maß an Komfort.
Bett, Decke und Kissen im RegioJet Nachtzug
Das Bett musste ich selbst beziehen. Das ist in einem Liegewagen normal, passt aber nicht unbedingt zu dem Begriff Sleeper beziehungsweise zu einem als privates Schlafabteil vermarkteten Produkt.
Positiv war das Bettzeug. Das Kissen war deutlich besser als die sehr flachen Kissen, die man in manchen Nachtzügen bekommt. Auch die Decke war angenehmer als eine einfache Wolldecke.
Ich entschied mich dafür, die mittlere Liege zu verwenden. Dadurch konnte ich beim Einschlafen direkt aus dem Fenster schauen und die vorbeiziehenden Lichter beobachten.
Genau solche Momente machen für mich einen großen Teil des Reizes einer Nachtzugfahrt aus. Man liegt im Bett, während der Zug durch Bahnhöfe, Städte und dunkle Landschaften fährt.
Theoretisch war das also eine sehr gute Ausgangslage für eine angenehme Nacht. Praktisch sorgte die Lautstärke des Wagens jedoch dafür, dass nur wenig Schlaf möglich war.
Steckdosen, Tisch und Gepäckablage im Abteil
Unter dem kleinen Tisch beziehungsweise im unteren Bereich des Abteils befanden sich Steckdosen. Damit konnte ich mein Smartphone und meinen Laptop laden.
Über den Betten gab es außerdem eine größere Gepäckablage. Diese ist besonders wichtig, wenn das Abteil mit mehreren Personen belegt wird. In einem Abteil mit vier oder sechs Reisenden kann der Platz schnell knapp werden.
Zusätzlich befand sich im Abteil eine Leiter, mit der die oberen Liegen erreicht werden können. Unter beziehungsweise hinter der Leiter war ein Tisch verstaut, der sich bei Bedarf einhängen ließ.
Da ich nur relativ kurz am Laptop arbeiten wollte, baute ich den Tisch zunächst nicht komplett auf. Stattdessen nutzte ich das Bett als eine Art höhenverstellbaren Schreibtisch.
Für längere Arbeiten wäre der richtige Tisch sicherlich angenehmer. Für das schnelle Beantworten einiger E-Mails reichte meine improvisierte Lösung jedoch aus.
Funktioniert das WLAN im RegioJet Nachtzug?
Im Zug wurde WLAN angeboten. Nach meinen vorherigen Erfahrungen mit einem RegioJet-Bus war ich zunächst skeptisch, da die Internetverbindung dort nicht funktioniert hatte.
Im Nachtzug hatte ich dieses Mal mehr Glück. Das WLAN funktionierte grundsätzlich und ich konnte noch einige Dinge am Computer erledigen.
Wie stabil eine solche Verbindung während der gesamten Fahrt ist, hängt natürlich auch vom Mobilfunknetz entlang der Strecke ab. Besonders in ländlichen Regionen, an Grenzen oder in Tunneln kann die Verbindung abbrechen.
Für einfache Aufgaben wie E-Mails, Nachrichten oder normales Surfen war das WLAN bei meiner Fahrt zumindest zeitweise nutzbar. Für große Uploads, Videokonferenzen oder andere datenintensive Aufgaben würde ich mich in einem fahrenden Nachtzug aber nicht darauf verlassen.
Toiletten und Waschräume im RegioJet Nachtzug
Die Toilette entsprach weitgehend dem Standard älterer europäischer Reisezugwagen. Es handelte sich um ein normales Zug-WC ohne besondere technische Ausstattung.
RegioJet hatte jedoch mit kleinen Dekorationen versucht, den Raum etwas freundlicher zu gestalten. Das verändert die Funktion natürlich nicht, vermittelt aber einen etwas gepflegteren Eindruck.
Zusätzlich gab es separate Waschmöglichkeiten beziehungsweise Waschräume mit Waschbecken. Eine eigene Dusche oder ein eigenes Badezimmer befand sich in meinem Abteil nicht.
Wer morgens nur die Zähne putzen, das Gesicht waschen und sich kurz frisch machen möchte, kommt mit dieser Ausstattung zurecht. Wer nach der Nachtzugfahrt unbedingt duschen möchte, sollte dafür jedoch eine andere Unterkunft oder eine Lounge am Ziel einplanen.
RegioJet Nachtzug Preis: Sind 111 Euro angemessen?
Für das private Abteil zahlte ich 111 Euro. Gemessen daran, dass ich das gesamte Abteil allein nutzen konnte, fand ich den Preis zunächst angemessen.
Auf vielen europäischen Nachtzugverbindungen kostet ein richtiges Einzelabteil im Schlafwagen deutlich mehr. Preise von 150, 200 oder sogar über 300 Euro sind je nach Reisetag, Strecke und Buchungszeitpunkt keine Seltenheit.
Allerdings muss man berücksichtigen, dass es sich bei meinem Abteil technisch um einen älteren Liegewagen handelte. Eine eigene Dusche, eine Toilette im Abteil oder ein bereits fertig bezogenes Bett gab es nicht.
Der Preis ist deshalb vor allem dann attraktiv, wenn man Wert auf Privatsphäre legt. Wer nur möglichst günstig von Prag nach Polen fahren möchte, findet möglicherweise günstigere Sitz- oder geteilte Liegewagenplätze.
Für 111 Euro erhielt ich:
- ein privates Abteil,
- mehrere Liegen zur alleinigen Nutzung,
- Bettwäsche,
- ein richtiges Kissen,
- eine Decke,
- eine Flasche Wasser,
- ein kleines Begrüßungsgeschenk,
- WLAN,
- Steckdosen,
- Zugang zu Toilette und Waschräumen,
- ein kleines Frühstück mit Kaffee.
Insgesamt war das Preis-Leistungs-Verhältnis auf den ersten Blick also ordentlich. Die extrem laute Nacht und die hohe Verspätung trübten den Gesamteindruck allerdings deutlich.
Die Geschichte von RegioJet
RegioJet ist heute einer der bekanntesten privaten Bahnbetreiber in Mitteleuropa. Das Unternehmen ist seit 2011 mit eigenen Fernzügen auf der Schiene unterwegs.
Die ersten gelben Züge fuhren in Tschechien und traten dort in Konkurrenz zur staatlichen Bahn. RegioJet setzte von Beginn an auf relativ günstige Preise, reservierte Sitzplätze und einen stärkeren Servicegedanken.
Das Reisegefühl sollte weniger an eine klassische Staatsbahn und teilweise eher an eine Fluggesellschaft oder einen Fernbus erinnern. Dazu gehörten unter anderem Service am Platz, unterschiedliche Komfortklassen und zusätzliche Leistungen.
Ein großer Teil der Wagenflotte bestand zunächst nicht aus fabrikneuen Fahrzeugen. RegioJet kaufte gebrauchte Wagen aus verschiedenen europäischen Ländern und modernisierte sie.
Darunter befanden sich ehemalige Wagen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien. Zusätzlich kamen im Laufe der Zeit neue Wagen des rumänischen Herstellers Astra hinzu.
Gerade die älteren Wagen der ÖBB und anderer europäischer Bahnen prägen bis heute das Erscheinungsbild vieler RegioJet-Züge. Das erklärt auch, warum im Nachtzug ältere Liegewagen eingesetzt werden, die technisch nicht mehr dem neuesten Stand entsprechen.
Inzwischen verfügt RegioJet über einen umfangreichen Wagenpark sowie Lokomotiven und elektrische Triebzüge für verschiedene Verbindungen. Das Unternehmen ist längst kein kleiner Herausforderer mehr, sondern einer der wichtigsten privaten Bahnplayer in Mittel- und Osteuropa.

Eine extrem laute Nacht im RegioJet Sleeper
Nach der Roomtour, dem Aufbau des Bettes und einigen Arbeiten am Laptop wollte ich schlafen. Durch die mittlere Liege konnte ich aus dem Fenster schauen und die Lichter draußen vorbeiziehen sehen.
Leider stellte sich schnell heraus, dass der Wagen extrem laut war. Die Fahrgeräusche, Schläge aus dem Gleisbereich und andere Geräusche waren im Abteil deutlich zu hören.
Natürlich sind Nachtzüge nie vollkommen ruhig. Ein gewisses Rattern, Bremsen und Schaukeln gehört dazu. Bei dieser Fahrt war die Geräuschkulisse jedoch so stark, dass ich kaum ein Auge zubekam.
Das zu öffnende Fenster, das ich am Anfang noch als großes Highlight bezeichnet hatte, dürfte ebenfalls zur schwächeren Geräuschdämmung beigetragen haben. Alte Wagen haben einfach nicht dieselbe Isolierung wie moderne Schlafwagen.
Für empfindliche Schläfer würde ich deshalb dringend Ohrstöpsel oder Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung empfehlen.
Irgendwann gegen 3 Uhr erreichte der Zug Krakau. Als wir dort am Bahnsteig standen und es im Wagen endlich etwas ruhiger wurde, konnte ich einschlafen.
Fast zwei Stunden Verspätung in Krakau
Als ich ungefähr um 5:05 Uhr wieder aufwachte, stand der Zug noch immer am selben Bahnsteig in Krakau. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits fast zwei Stunden Verspätung.
Das war für mich besonders problematisch, weil ich in Przemyśl einen Anschlusszug gebucht hatte. Ursprünglich hätte ich dort ungefähr eine Stunde und 20 bis 25 Minuten Zeit zum Umsteigen gehabt.
Mit fast zwei Stunden Verspätung war dieser Puffer vollständig aufgebraucht. Ich musste deshalb überlegen, wie ich meinen Anschluss noch erreichen konnte.
Besonders problematisch war die Kommunikation. Es hatte offenbar eine Ansage zur Verspätung gegeben, diese wurde aber nicht auf Englisch gemacht. Hätte ich nicht selbst auf die Uhr, den Bahnhof und den Standort des Zuges geachtet, hätte ich möglicherweise gar nicht gewusst, wie groß die Verspätung inzwischen war.
Auch beim Austeilen des Frühstücks informierte mich niemand persönlich darüber, dass der Zug deutlich hinter dem Fahrplan lag.
Für eine internationale Nachtzugverbindung ist das ein klarer Kritikpunkt. Gerade Reisende mit Anschlüssen müssen rechtzeitig wissen, ob sie ihre weiteren Züge noch erreichen können.
Frühstück im RegioJet Nachtzug
Am Morgen gab es tatsächlich ein kleines Frühstück. Es bestand aus einem eher flach gedrückten Croissant, Marmelade, Butter und einem Kaffee.
Der Kaffee war Instantkaffee, schmeckte aber überraschend ordentlich. Nach einer fast schlaflosen Nacht war er ohnehin dringend notwendig.
Ein luxuriöses Frühstück sollte man nicht erwarten. Es war eher ein kleiner Snack, der half, die Zeit bis zum Ziel beziehungsweise bis zum nächsten Bahnhof zu überbrücken.
Da das Frühstück im Ticketpreis enthalten war, möchte ich mich darüber nicht beschweren. Gerade bei einem relativ kurzen Nachtzug, der bereits gegen 6:25 Uhr ankommen sollte, ist ein einfaches Frühstück vollkommen ausreichend.
Vorzeitiger Ausstieg in Rzeszów
Um meinen Anschlusszug nicht zu verpassen, entschied ich mich, den RegioJet bereits in Rzeszów zu verlassen. Dieser Bahnhof liegt vor Przemyśl und bot mir eine alternative Möglichkeit, meine Reise fortzusetzen.
Der RegioJet hatte einen Teil seiner Verspätung zwar wieder aufgeholt, lag aber noch immer mehr als eine Stunde hinter dem Fahrplan.
Wäre ich bis Przemyśl weitergefahren, hätte bereits eine kleine zusätzliche Verzögerung genügt, um meinen Anschluss endgültig zu verpassen. Der nächste passende Zug wäre erst mehr als zwei Stunden später gefahren.
Durch den vorzeitigen Ausstieg hatte ich zwar ebenfalls einen längeren Aufenthalt, konnte meine Weiterreise aber besser absichern.
Am frühen Morgen war in Rzeszów noch nicht besonders viel geöffnet. Ich ging deshalb zunächst in einen Supermarkt und kaufte mir zwei weitere Instantkaffees.
Anschließend wartete ich auf einen IC der polnischen Bahn, der mich weiter nach Krakau bringen sollte. Damit endete meine eigentliche Fahrt im RegioJet Nachtzug früher als ursprünglich geplant.

RegioJet Nachtzug Erfahrungen: Mein Fazit
Meine RegioJet Nachtzug Erfahrungen fallen gemischt aus. Das private Abteil bot viel Platz, eine gute Privatsphäre und für 111 Euro grundsätzlich ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das Bettzeug war besser als in vielen klassischen Liegewagen. Das richtige Kissen, die ordentliche Decke, die Steckdosen, das funktionierende WLAN und das kleine Frühstück waren klare Pluspunkte.
Auch das zu öffnende Fenster fand ich zunächst großartig. Es vermittelt genau das klassische Nachtzuggefühl, das in modernen, vollständig klimatisierten Wagen oft fehlt.
Gleichzeitig war die Nacht extrem laut. Wer leicht schläft, könnte in diesem Wagen erhebliche Probleme bekommen. Ich konnte erst während des langen Aufenthalts in Krakau wirklich einschlafen.
Die größte Schwäche war für mich jedoch die Kommunikation bei der Verspätung. Auf einer internationalen Verbindung sollten wichtige Ansagen zumindest zusätzlich auf Englisch erfolgen.
Fast zwei Stunden Verspätung können vorkommen. Problematisch wird es aber, wenn Fahrgäste mit Anschlussverbindungen nicht verständlich informiert werden.
Würde ich den RegioJet Sleeper noch einmal buchen? Grundsätzlich ja, wenn der Preis ähnlich günstig ist und ich ein privates Abteil bekomme. Ich würde dann allerdings Ohrstöpsel mitnehmen und bei der weiteren Reiseplanung deutlich mehr Puffer einbauen.
Wer einen hochmodernen Schlafwagen mit eigenem Badezimmer erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Wer dagegen einen günstigen, etwas nostalgischen Nachtzug mit privatem Abteil und solider Grundausstattung sucht, könnte mit RegioJet durchaus zufrieden sein.
FAQ zu meinen RegioJet Nachtzug Erfahrungen
1. Wie viel kostet der RegioJet Nachtzug von Prag nach Przemyśl?
Ich zahlte für mein privates Abteil 111 Euro. Der genaue Preis kann je nach Reisetag, Auslastung, Buchungszeitpunkt und gewählter Kategorie variieren. Geteilte Plätze sind normalerweise günstiger als ein privat gebuchtes Abteil.
2. Ist der RegioJet Sleeper ein richtiger Schlafwagen?
Der von mir genutzte Wagen war technisch eher ein klassischer Liegewagen. RegioJet vermarktete das Abteil jedoch als Sleeper. Durch die private Nutzung, das bessere Kissen und die ordentliche Decke lag der Komfort zwischen einem typischen Liegewagen und einem Schlafwagen.
3. Gibt es im RegioJet Nachtzug ein eigenes Bad?
In meinem Abteil gab es weder ein eigenes WC noch eine Dusche. Im Wagen waren eine normale Zugtoilette und separate Waschmöglichkeiten mit Waschbecken vorhanden.
4. Ist im RegioJet Nachtzug Frühstück enthalten?
Bei meiner Buchung war ein kleines Frühstück enthalten. Es bestand aus einem Croissant, Marmelade, Butter und Instantkaffee. Zusätzlich erhielt ich zu Beginn der Fahrt eine Flasche Wasser und ein kleines Begrüßungsgeschenk.
5. Gibt es WLAN und Steckdosen im RegioJet Sleeper?
Ja, in meinem Abteil waren Steckdosen vorhanden. Auch das WLAN funktionierte während eines Teils der Reise. Eine dauerhaft stabile Verbindung sollte man auf einer internationalen Nachtzugstrecke jedoch nicht erwarten.
6. Wie lange dauert die Fahrt von Prag nach Przemyśl?
Die planmäßige Fahrzeit betrug ungefähr acht Stunden und 37 Minuten. Der Zug sollte Prag um 21:48 Uhr verlassen und Przemyśl um 6:25 Uhr erreichen. Bei meiner Fahrt kam es jedoch zu einer erheblichen Verspätung.
7. Warum fährt der RegioJet Nachtzug bis Przemyśl?
Die Verbindung wurde nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine zunächst als Evakuierungszug eingesetzt. Przemyśl liegt nahe der ukrainischen Grenze und ist ein wichtiger Umsteigepunkt für Reisen in Richtung Ukraine.
8. Kann man im RegioJet Nachtzug gut schlafen?
Das hängt stark von der persönlichen Empfindlichkeit ab. Mein Wagen war sehr laut, weshalb ich kaum schlafen konnte. Ohrstöpsel oder Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung sind deshalb empfehlenswert.
9. Muss man das Bett im RegioJet Sleeper selbst beziehen?
Bei meiner Fahrt musste ich das Bett selbst vorbereiten und beziehen. Das ist typisch für einen Liegewagen. Bettwäsche, Kissen und Decke lagen bereits im Abteil bereit.
10. Lohnt sich ein privates Abteil im RegioJet Nachtzug?
Für 111 Euro fand ich das private Abteil grundsätzlich attraktiv. Man hat deutlich mehr Ruhe und Privatsphäre als in einem geteilten Abteil. Wegen der Lautstärke des Wagens und der mangelhaften Kommunikation bei Verspätungen war die Reise trotzdem nicht vollkommen überzeugend.
11. Wie pünktlich ist der RegioJet Nachtzug?
Bei meiner Fahrt hatte der Zug zeitweise fast zwei Stunden Verspätung. Später konnte ein Teil davon wieder aufgeholt werden. Einzelne Erfahrungen lassen sich natürlich nicht auf jede Fahrt übertragen, aber bei internationalen Nachtzügen sollte man grundsätzlich ausreichend Umsteigezeit einplanen.
12. Würde ich den RegioJet Nachtzug erneut buchen?
Ja, bei einem ähnlichen Preis würde ich den Zug noch einmal nutzen. Ich würde jedoch mehr Zeit für Anschlussverbindungen einplanen, Ohrstöpsel mitnehmen und meine Abfahrts- und Ankunftszeiten regelmäßig selbst kontrollieren.